28. April 2006
Basel am Freitag 28. April 2006

Der 56-Jährige Ire
Liam Grant liegt bald ein Jahrzehnt im Streit mit dem Pharmakonzern Roche: Er ist überzeugt, das Akne-Medikament Roaccutane hat seinen 19-jährigen Sohn in den Selbstmord getrieben. Im Juni 1997 wurde dieser ausserhalb von Dublin tot aufgefunden - erhängt an einem Baum.
Damals standen auf den Roaccutane-Beipackzetteln noch keine Warnungen, die auf "Suizid-Risiken" des Medikamentes hingewiesen hätten.
1999 gründete Liam Grant die
Ro|Accutane Action Group und finanzierte zudem aus dem eigenen Geldbeutel für knapp eine Million Dollar zwei Studien, welche die verheerenden Wirkungen von Roaccutane belegen sollten. Tatsächlich stellten die Studien fest: Roaccutane hat einen Einfluss auf Gehirnregionen, welche im Zusammenhang mit Depressionen eine Rolle spielen. Die Roche Holding dementierte sofort: die Unabhägigkeit der Forschungsresultate sei nicht gewährleistet. Vor allem aber sagt Roche bis heute, ein direkter Zusammenhang zwischen Selbstmorden und dem Medikament Roaccutane bestehe nicht.
Vergangene Woche griff das Politmagazin "
Falò" im Tessiner Fernsehen "
den Fall Roaccutane" erneut auf (real audio). Auch in der Schweiz wurden bisher mindestens 5 Selbstmorde in Zusammenhang mit dem Konsum des Medikaments Roaccutane gebracht. In den USA ist die Rede von 190 Fällen. Wieviele es weltweit tatsächlich sind liegt im Dunkeln.
Die Kritik der Journalisten von "Falò" richtete sich aber auch an die Adresse der schweizerischen Überwachungsbehörde für Heilmittel, die
Swissmedic. Diese hätte schon längst tätig werden müssen, so das Fazit der Sendung.
Bereits im vergangenen Herbst hatte "Falò" über den Fall Roaccutane berichtet: Damals hatte die Roche Holding Liam Grant aussergerichtlich eine Vergleichszahlung von 1 Million Euro angeboten. Doch längst ist Liam Grant
nicht mehr der einzige Kläger gegen Roche in der Causa Roaccutane: Die Anzahl offener Gerichtsverfahren beläuft sich derzeit weltweit auf 150 Fälle. Ob und wieviele Streitfälle bereits in aussergerichtlichen Verfahren beigelegt wurden ist nicht bekannt.
Eines ist hingegen klar: Liam Grant will das Verfahren weiter ziehen. Die Vergleichszahlung hatte er mit der Begründung abgelehnt, er wolle kein "Blut-Geld".
(Feststellung am Rande: Keine Zeitung aus der Deutschschweiz hat das Thema Roaccutane bisher aufgegriffen.)